Wir geben hier das Interview mit Cesare De Marchi wieder, das in der Zeitschrift «Oltreconfine» anlässlich seiner Wahl zum Präsidenten der Dante Gesellschaft Stuttgart im Januar 2003 erschienen ist.
Die „Dante“ ist eine unabhängige Gesellschaft, die durch Mitgliederbeitrage, Spenden und auch Kulturreiseveranstaltungen getragen wird; ihr Ziel ist die Verbreitung der Kenntnisse über Italien und die Italienische Kultur in weitestem Sinne. Hier in Stuttgart existiert die Dante Alighieri seit wenig mehr als 50 Jahren. Die Mitglieder (einige der ersten Stunde, treue Mitglieder seit 50 Jahren…) sind zum größten Teil Deutsche, aber es wäre schön, wenn der Anteil der italienischen Mitglieder wüchse.
Sie organisiert kulturelle Veranstaltungen in deutscher Sprache oder zweisprachig, die sich auf einen Charakterzug, einen Aspekt der italienischen Kultur beziehen: Malerei, Literatur, Kino, Natur- und Geisteswissenschaften; sie bedient sich dabei auch der jüngst begründeten Zusammenarbeit mit dem Institut der Romanistik der Universität Stgt, der Italianistik und der Musikhochschule. Demnächst werden auch einige Veranstaltungen, die mit großem organisatorischen Aufwand verbunden sind, in enger Zusammenarbeit stattfinden mit dem IIC, dem Italienischen Kulturinstitut, das in großzügiger Weise seine Bereitschaft dazu erklärt hat. Einen bedeutenden Teil der Aktivitäten der Dante Alighieri machen Studienfahrten und Besichtigungen mit sachkundigen Führungen aus, z.B. am 26. April fahren wir nach Engen zu der Ausstellung: „Venezianische Meisterwerke“. Unter den Vorträgen erwähne ich nur vom vergangenen Januar den Vortrag von Frank Baasner über den italienischen Film als Ausdrück einer kulturellen Mentalität und den vom vergangenen Februar von Götz Thieme über Ennio Morriocone. Im kommenden Mai wird Frau Prof. Dr. Silke Leopold über Fellini und die klassische Musik sprechen. Ich selbst habe im vergangenen Oktober einen Vortrag gehalten mit dem Titel: „Was ist ein Roman?“.
Sie hat das bis vor wenigen Jahren getan. Die Kurse (neben denen der Volkshochschule) sind dem Verein der Freunde des Italienischen Kulturinstituts anvertraut, und die Mitglieder der Dante genießen dank gegenseitiger Übereinkunft bei diesen Kursen eine Ermäßigung.
Sie meinen: weshalb sollte ein Bewunderer Italiens, oder wenigstens jemand, der sich für das Land und seine Kultur interessiert, Mitglied der „Dante“ werden? Ich werde Ihnen ehrlich antworten: um mit einem geringen finanziellen Beitrag die Durchführung oder besser Erweiterung des Programms zur Verbreitung der Kenntnisse über die italienische Kultur zu ermöglichen. Es gibt natürlich auch einige materielle Vorteile, wie Ermäßigungen bei der Teilnahme an Reisen und Besichtigungen (oder wie schon gesagt) bei den Sprachkursen des IIC. Aber ich will Ihnen ganz offen sagen, Mitglied bei der Dante Alighieri zu sein, bezeugt vor allem die Absicht, die italienische Kultur in Stuttgart zu unterstützen.
Ich bin ein italienischer Intellektueller; ich habe vier Romane geschrieben, einer davon hat große Anerkennung gefunden. Ich habe Essays zu philosophischen und literarischen Themen geschrieben; und vor allem habe ich italienische Ausgaben deutscher Klassiker betreut. Mein Interesse an der deutschen Literatur macht einen Teil der Motive aus, aus denen heraus ich seit 1995 in Deutschland lebe.
Was mein Programm, meine Vorstellungen betrifft in Bezug auf die "Dante Alighieri" Stuttgart, so möchte ich einfach die durch die Satzung vorgesehenen Aktivitäten der Gesellschaft weiter ausbauen: einige Persönlichkeiten mehr aus Italien einladen, um den Freunden meines Landes eine umfassendere und genauere Vorstellung davon zu bieten, was die heutige italienische Kultur umfasst. Man muss nicht glauben, dass ich, nur weil ich ein Literat bin, der Literatur einen Vorrang einräumen möchte. Im Gegenteil, ich möchte neben Schriftstellern Musiker, Maler, Naturwissenschaftler und Forscher, Übersetzer und Lexikographen, Experten für Tourismus und auch für die Kochkunst vorstellen.
Einen besonderen Platz wird „Il Caffè“ einnehmen, ein Treffpunkt in einem Café der Innenstadt, wo an Italien interessierte Italiener und Deutsche sich treffen und ihre Meinungen austauschen, vorlesen, zuhören und in beiden Sprachen mit einander sprechen können.
Das ist ein Programm das zweifelsohne einen langen Atem braucht; und vor allem ist klar, dass dies nur verwirklicht werden kann, wenn die Zahl der Mitglieder steigt und damit der finanzielle Spielraum der Dante Gesellschaft. Sagen wir ruhig, es ist eine Herausforderung, aber eine, die es lohnt anzunehmen.
(Aus «Oltreconfine», März/April 2003, S. 18-20)